Was kommt nach dem Tod?

25.01.2020

Und jetzt?

Viele Menschen, die schwer krank sind, finden Halt im Glauben. Deshalb wird Spiritualität ein Thema der 3. Brunecker Krebsgespräche sein.  Bischof Ivo Muser ist einer der Diskussionsteilnehmer, wenn es um die Frage geht, ob wir den Tod aus unserem Leben verdrängt haben. Die Initiatoren der Krebsgespräche haben ihn im August 2019 zu einem Gespräch über den Tod getroffen. Ein Auszug.

Herr Bischof, ist Sterben ein Tabuthema?

Ja, sehr oft. Obwohl wir alle wissen, dass wir sterben müssen, tun wir oft so, als würde uns der Tod nicht betreffen. Aber schon die ältesten Funde in Zusammenhang mit dem Menschen, Grabbeigaben zum Beispiel, zeugen von einer tiefen Sehnsucht, den Übergang von dieser in eine andere Welt zu gestalten und sich gerade in der Erfahrung des Todes zurückzubinden an einen letzten Halt. Auf dieser Welt leben, heißt immer auch Grenzen anzuerkennen. Der Tod ist die letzte und größte Grenzerfahrung, weil er das Leben selber in Frage stellt. Das macht uns Angst und verleitet uns, die Tatsache des Sterbenmüssens zu verdrängen und zu tabuisieren.  

Was würden Sie sich wünschen, dass sich in unserem Umgang mit dem Tod ändert?

Weil es um das Leben geht, darf die Frage nach dem Tod nicht ausgeklammert werden. Mein Wunsch? Über den Tod reden, auch mit Kindern; Sterbende nicht alleinlassen; Begräbnisrituale pflegen; Verstorbene nicht entsorgen und anonymisieren; Friedhöfe als Orte der Erinnerung, der Versöhnung, des Innehaltens und des Gebetes erhalten; den Tod nicht individualistisch, sondern sozial, nicht einsam, sondern gemeinsam bewältigen. Der Umgang mit dem Sterben und mit unseren Verstorbenen sagt ganz viel über unsere Einstellung zum Leben und über unsere Kraft, das Leben zu wollen und zu bewältigen. 

Warum ist der Glaube gerade im Zusammenhang mit dem Thema Sterben wichtig?

Wenn die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod wegfällt, dann habe ich nur diese begrenzte, irdische Zeit, in der die Rechnung nie aufgeht. Wer glauben und hoffen kann, dass es ein Leben jenseits der Grenze des Todes gibt, braucht dieses Leben nicht zu überfordern und von diesem Leben nicht zu erwarten, was es nicht einlösen kann. Die Frage nach dem Tod ist deshalb auch die Frage nach Gott, den es nur dann gibt, wenn er und nicht der Tod das letzte Wort hat. Dieser Glaube sagt mir: Ich bin gewollt. Es muss einen Sinn haben, dass es mich gibt. Und nicht einmal der Tod kann diesen Sinn aufheben.

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